Gans logisch?

Screenshot des Ergebnisses einer Neo4j-Abfrage zu den Daten aus REALonline
05.11. 2018
Kategorie: Bilder

Den Monat November verbinden heute viele mit einem in dieser Zeit vermehrt zubereiteten Gericht: einer gebratenen Gans. Dieses Essen wird oft in Zusammenhang mit einer Episode gebracht, die sich im Leben des Hl. Martin zugetragen haben soll: Aus Bescheidenheit versteckte er sich demnach bei den Gänsen, um nicht zum Bischof gewählt zu werden. Das Geschnatter des Federviehs verriet ihn aber und er wurde dennoch mit diesem Kirchenamt bekleidet. „Die Gänse haben Sankt Martin verraten, drum müssen sie jetzt braten,“ so eine gängige abgekürzte Schilderung der Zusammenhänge zwischen der Vita des Heiligen und dem Festtagsessen.

Die Demut und Bescheidenheit des Hl. Martin wird auch in der Legenda Aurea – einer der wichtigsten Heiligenlegendensammlungen des Mittelalters – erwähnt. Darin wird unter anderem erzählt, dass Martin einen Knecht zugewiesen bekam, aber diesem eher diente als umgekehrt und ihm beispielsweise die Schuhe putzte, oder dass er – als er bereits im Amt war – nie auf dem bischöflichen Stuhl saß, wie ihm zustand, sondern nur auf einem kleinen Dreibeinschemel.

Die Funktion der schnatternden Gänse in der Vita des Heiligen ist dagegen offenbar an einem späteren Zeitpunkt der Legendenbildung eingeflochten worden.

Auch in REALonline kommt die Gans in nur sieben Fällen gemeinsam mit dem Hl. Martin (z.B. REALonline 001010) vor. Insgesamt ist der Heilige in REALonline 96 mal dargestellt (siehe „Hl. Martin im Bild“, öffentliche Sammlung auf REALonline). Das Teilen seines Mantels mit einem Bedürftigen und Repräsentationen, die ihn als Bischof mit einem Gefäß (oft eine Doppelscheuer oder ein Doppelpokal) zeigen, überwiegen dabei.

Über REALonline hat man die Möglichkeit zu untersuchen, in welchen unterschiedlichen Kontexten  Bildelemente (also etwa eine Gans) vorkommen. Das Bild des Monats zeigt das Ergebnis einer Abfrage über die Expert*innensuche von REALonline. In der Mitte ist der Thesaurusknoten ‚Gans‘ (grün) mit dem aktuell 26 Knoten, also dargestellte Gänse, verbunden sind. Sie sind auf 19 verschiedenen Werken (blaue Knoten) zu sehen. Die äußeren grünen Knoten lassen die Thesaurusstruktur des jeweiligen Bildthemas, dem das Werk zugeordnet ist, erkennen (rechts unten eben jene Werke mit dem Heiligen Martin).

Neben den vielleicht aus unserer heutigen Sicht „logischen“ Werken, in denen man nach Gänsen suchen würde, gibt es auch eine Reihe anderer Kontexte, in denen die Vögel auftreten.

So etwa im Bild vom Fuchs bzw. Wolf, der den Gänsen predigt (REALonline 014644). Damit wurde unter anderem vor „falschen“ Predigern gewarnt, denen Gutgläubige ihr Gehör schenken, in die Irre geführt werden und dies büßen müssten. Für letzteres stehen die Gänse im Sack des Raubtiers, bzw. jene, die er in bereits mit seiner linken Pfote am Kragen geschnappt hat.

Isabella Nicka