Die päpstliche Pönitentiarie

Alltag und materielle Kultur in den Supplikenregistern der päpstlichen Pönitentiarie


Seit 1996 edieren Ludwig Schmugge (Zürich) und sein Team die Supplikenregister der päpstlichen Pönitentiarie des 15. Jahrhunderts.Diese ausführlichen und viele Einzelheiten berücksichtigenden Eintragungen liefern gerade durch jenen Detailreichtum Mitteilungen zu vielfältigen Alltagssituationen, welche einer komparativen Analyse zugeführt werden. Es geht dabei vor allem um Petitionen von Laien und Klerikern, welche sich mit Eidbruch, Vergehen bezüglich Kircheneigentum, Sexualdelikten, diversem Ungehorsam, Gewaltausübung, Teilnahme an Kriegshandlungen, Klosterflucht etc. auseinandersetzen.

Die Analyse derartiger Einträge stößt momentan auch auf großes internationales Interesse, was zu wichtigen überregionalen Vergleichsuntersuchungen führen soll. Jene reiche Bezugnahme auf alltagsrelevante Details findet augenscheinlich häufig Anwendung zur Bildung derartiger Erzählmuster, welche die Plausibilität und Berechtigung der Suppliken stärker hervorheben sollen, um damit die Argumentation zu verstärken und einen Erfolg für die Bittsteller zu gewährleisten. Die internationale Diskussion zu derartigen Erzählstrukturen wurde durch die Abhaltung eines diesbezüglichen workshops intensiviert, welchen das Institut im Jahre 2010 in Krems veranstaltete und dessen Ergebnisse publiziert werden.

Projektleitung: Gerhard Jaritz