object links

 
In der Forschungsperspektive Object links (Objektverbindungen) werden wesentliche Elemente materieller Kultur analysiert: die Verbindungen zwischen Objekten bzw. zwischen Objekten und Personen. Unterschiedliche Arten, Eigenschaften und Wirkungen dieser Verbindungen werden in sozialen Gefügen sowie in Objektgesellschaften greifbar: Objects link.
Gestaltung, Gebrauch und Stellenwert von Objekten der materiellen Kultur sind maßgeblicher Bestandteil von sozialen Praktiken, Zeichensystemen und Narrativen. Im Rahmen der Forschungsperspektive stehen vor allem diese Fragen im Zentrum des Interesses: Bedingen Praktiken die Konstitution und Konstellation von „Objektgesellschaften“ oder ist diese Genese auch umgekehrt vorstellbar? Wie äußert sich die Bindung zu Objekten im Gedächtnis und in der Erinnerung? Welche Funktionen haben Dinge bei der Etablierung und Gestaltung sozialer Gefüge sowie als Medien der Kommunikation und Repräsentation? Wie interagieren Objekte miteinander und wie konstituiert diese Interaktion den Raum?
Die Vernetzung von Objekten und Handlungsträgern im topografischen und sozialen Raum kann in verschiedenen Größenordnungen untersucht werden. „Ensembles“ etwa werden durch die Analyse von Ausstattungselementen, baulicher Anordnung und schriftlichen Dokumenten in profanen und sakralen Räumen fassbar. Objekt-Beziehungen von Individuen oder Personengruppen werden beispielsweise durch Stiftungen an geistliche Institutionen oder in der Geschenkkultur sichtbar. Subjektiv oder objektiv wertvolle Gegenstände, Häufungen von Einzelobjekten oder Objektgruppen lassen Bezugspunkte zu Objektbiografien und Nutzungszusammenhängen erkennen. Wie derartige Konstellationen aussehen, unter welchen Bedingungen sie sich verändern oder verändert werden und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, wird an konkreten Forschungsobjekten analysiert.
Die Basis für die Forschungsperspektive Object links bildet die Dokumentation und Kontextualisierung von Objekten, die am IMAREAL quellen- und disziplinenübergreifend betrieben wird und damit zur Grundlagenforschung des Instituts gehört. Die auf die jeweiligen Teilprojekte zugeschnittenen Visualisierungen spielen sowohl als Forschungstools als auch als Mittel einer adäquaten Präsentation der Forschungsergebnisse eine zentrale Rolle. Eng damit verbunden ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen im Bereich der Digital Humanities am IMAREAL.

Unsere Überlegungen stellen die Weiterentwicklung von konkreten Fragestellungen und Zugängen dar, mit denen wir uns bereits beschäftigt haben:


Heike Schlie, Die Ordnung der Bilder. Positionierungen im Hochaltarretabel der Göttinger Barfüßerkirche, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 1 (NF), 2015 , S. 185-210
Heike Schlie, Münzen zu Hostien, Farbe zu Blut: Transaktionen und Transformationen als Bildvollzug im Corpus-Domini-Retabel in Urbino, in: Theologisches Wissen und die Kunst (Festschrift für Martin Büchsel), hg. v. Rebecca Müller, Anselm Rau und Johanna Scheel, Berlin 2015, S. 315-334

Thomas Kühtreiber, Marianne Singer, Nikolaus Hofer, Der Schatzfund von Wiener Neustadt: Synthese der Forschungsergebnisse. In: Nikolaus Hofer (Hg.), Der Schatzfund von Wiener Neustadt. Horn 2014, 298-321

Isabella Nicka, Interfaces. Berührungszonen von Transzendenz und Immanenz im spätmittelalterlichen Sakralraum. In: Marion Meyer, Deborah Klimburg-Salter (Hg.), Visualisierungen von Kult. Wien–Köln–Weimar 2014, 260-293, Abb. auf 438-444.

Elisabeth Gruber, Wer regiert hier wen? Handlungsspielräume in der spätmittelalterlichen Residenzstadt Wien, in: Mittler zwischen Herrschaft und Gemeinde. Die Rolle von Funktions- und Führungsgruppen in der mittelalterlichen Urbanisierung Zentraleuropas, hrsg. von Elisabeth Gruber, Susanne Pils, Sven Rabeler, Herwig Weigl, Gabriel Zeilinger (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte 56, Wien 2013) 9-48.

Teilprojekte

Vom Ambo zum Retabel. Das Goldschmiedewerk des Nikolaus von Verdun im Stift Klosterneuburg und seine Kontexte

Projektleitung: Heike Schlie