Vom Haus zum Hof

Vom Haus zum Hof: Zur Entwicklung von Mehrräumigkeit mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Gehöfte

Das Kooperationsprojekt mit dem Bundesdenkmalamt widmet sich in mehreren Pilotstudien der Dokumentation, Erforschung und denkmalpflegerischen Sicherung der letzten Zeugen bäuerlicher Wohnkultur auf dem Gebiet des heutigen Niederösterreichs. Der Hauptfokus liegt auf der Klärung, warum sich vom Spätmittelalter bis in das 18./19. Jahrhundert aus überregional ähnlichen, relativ einfachen Hausgrundrissen im ländlichen Raum komplexe, vielräumige Mehrgebäudesysteme, die regional sehr spezifische Formen ausbildeten, entwickelten. Neben der Analyse am erhaltenen Baubestand ausgewählter Objekte stehen dabei vergleichende Analysen aus verschiedenen Regionen auf dem Gebiet des heutigen Niederösterreich im Fokus, in denen Fragen nach der „Materialität“ bäuerlicher Haushaltskonzepte nachgegangen werden soll: Inwieweit lassen sich Änderungen von Wohn- und Wirtschaftspraktiken auf der Mikroebene von Raumzonen und Räumen in einzelnen Gebäuden, aber auch auf der Mesoebene ganzer Dörfer beobachten und interpretieren? Darüber hinaus stehen aber auch vergleichende Studien zu unterschiedlichen sozialen Kategorien im Vordergrund, wie beispielsweise die Frage nach der Herausbildung von Wohnräumen („Stuben“) in Bauernhäusern, Burgen und städtischen Häusern. Seit 2012 finden Grabungen in der Gehöftruine „Ginglsee“, Katastralgemeinde Paudorf (Bez. Krems-Land) statt, die sich den Raumfunktionen eines neuzeitlichen Kleingehöfts in Verbindung mit denkmalpflegerischen Erhaltungsfragen von Ruinen in Lehmmörtel-Bauweise widmen. 2013-2015 wurden vier ausgewählte ehemalige Dörfer auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes Allentsteig (Bez. Zwettl) dokumentiert und Maßnahmen für ihre Erhaltung erarbeitet. Seit 2015 wird als Musterprojekt ein frühneuzeitliches Bauernhaus in Krumbach (Bez. Wiener Neustadt-Land) archäologisch und bauanalytisch untersucht und für die Übertragung in das örtliche Museumsdorf vorbereitet.


Projektleitung: Thomas Kühtreiber