Materielle Objekte adeliger Erinnerung in Zeiten von Konfessionalität und Migration 1500–1800

Ein Teilprojekt des Forschungsverbundes Migration im Rahmen der Forschungsinitiative Interdisziplinäre Regionalstudien (FIRST), Land NÖ

Zu Beginn der Neuzeit gewannen Migrationsprozesse im adeligen Milieu Österreichs eine besondere religiös-politische Dimension. Unter dem Druck der Rekatholisierung emigrierten wichtige adelige Familien in Gebiete außerhalb des Einflussbereichs der katholischen Landesfürsten. Für die Integration in die neuen Lebensumfelder gewannen persönliche oder familienspezifische Bindungen an bedeutsame Objekte der materiellen Kultur eine besondere Wertigkeit. Denn als Medien der Memoria und Instrumente sozialer Identitäten tragen Dinge zur Stabilisierung des eigenen Selbstverständnisses bei. In der aktuellen Migrationsforschung stellen sie jedoch eine wenig beleuchtete Kategorie dar.
Das IMAREAL-Teilprojekt „ Materielle Objekte adeliger Erinnerung in Zeiten von Konfessionalität und Migration 1500–1800“ geht der Frage nach, welche Rolle Dinge und Objekte für eine gelungene – oder missglückte Integration – spielen können. An konkreten Beispielen ausgewählter Adelsfamilien Niederösterreichs wird im historischen Längsschnitt der Blick auf die Objekte gelenkt, die Teil eines gruppenspezifischen Selbstverständnisses sind und denen als solchen ein besonderer Platz zugewiesen wird.
Der für dieses Projekt gewählte Zugang zielt auf das Wechselspiel zwischen Dingbedeutung und Lebensstilen von adeligen Gruppen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit unter besonderer Berücksichtigung ihrer räumlichen und sozialen Mobilität ab. Im Zentrum stehen dabei die vielschichtigen Bindungen an Dinge, die sowohl individual- wie auch gruppenbiographisch sichtbar werden. Die am Institut verankerte Forschungsperspektive „Objekt links“ – Objektverbindungen – stellt den geeigneten methodischen Rahmen dar, um Vernetzungen von Objekten und Handlungsträgern im topografischen und sozialen Raum fruchtbringend zu untersuchen.

Projektleitung: Elisabeth Gruber

Projektdauer: 2016-2018