Prozessierte Objekte?

Letztes Abendmahl, Tempera auf Holz, Churburg, Schluderns, 1410/20.
Letztes Abendmahl, Glasmalerei, Stiftskirche Viktring, 1390/1400.
Letztes Abendmahl, Tempera auf Holz, Friedhofskirche, Langenzenn, um 1440/50.

 

Prozessierte Objekte? Dargestellte Möbel in visuellen Medien des Mittelalters


Das Dissertationsprojekt widmet sich einer bestimmten Kategorie von Objekten: Möbeln. Gefragt wird, wie diese in mittelalterlichen Darstellungen prozessiert, also in visuellen Medien verarbeitet, transformiert oder über-setzt wurden. Eines steht außer Frage: keine dargestellte Sitzgelegenheit wurde dazu verwendet, um darauf zu sitzen. Was machen Möbel also auf Tafelbildern, Glasfenstern, Buchilluminationen, Drucken oder auf plastischen Bildwerken?

Kunsthistorische und teils auch interdisziplinäre Forschungen beschäftigten sich bisher vor allem damit, zu erfragen, welche Zusammenhänge zwischen dargestellten Möbeln und erhaltenen Sachzeugnissen oder deren Überlieferung in historischen Quellen (z.B. Inventaren) auszumachen sind. Ein weiterer Zugriff wurde durch die sog. ikonologische Methode Erwin Panofskys geprägt. Dieser bahnte vor allem anhand seiner Studien zur altniederländischen Malerei den Weg für eine Suche nach versteckten Symboliken, die unterschiedlichen Alltagsgegenständen innewohnen könnten.

In diesem Projekt werden Möbel als visuell prozessierte Elemente in mittelalterlichen Darstellungen untersucht. Der Fokus liegt damit auf dem piktoralen Komplex als Endprodukt eines Prozesses, der durch unterschiedliche Faktoren – wie Symbolisierung, Mimesis, Entzeitlichung, Stabilisierung von Inhalten/Narrativen, Ritualen/Praktiken, Ideen – geformt worden sein kann. Vier Fallstudien werden in diesem Dissertationsprojekt den verhandelten Themen gewidmet, die durch die Verwendung von Möbeln als Analysekategorie zutage treten: Fallstudien zur Relation von repräsentierten Raumgrenzen und innenräumlicher Einrichtung sowie zu den räumlichen Strukturen, die dargestellte Möbel ausbilden, verweisen auf die Genese des Projekts im Rahmen des Forschungsbereichs „Der domestizierte Raum“. Überlegungen zu Möbeln und ihrer Funktion bei der Darstellung von Bewegung oder als soziale Marker im Bild flossen in die Entwicklung der Forschungsperspektive „Object Links“. Die in den genannten Fallstudien erarbeiteten Einsichten werden schließlich bei der Analyse eines illustrierten Frühdrucks angewendet, um die Tragfähigkeit der entwickelten Konzepte anhand eines Beispiels aufzuzeigen.

Das Wort „prozessiert“ im Titel verweist auf einer zweiten Ebene auf den wissenschaftshistorischen Aspekt der Arbeit: Mitreflektiert wird der Einfluss, den die in der Kunstgeschichte genutzten Werkzeuge auf die Erforschung dargestellter Objekte haben. Da im Unterschied zu Texten eine Erschließung von Bildquellen (noch) nicht automatisierbar ist, ist der Aufwand für die Erfassung aller in visuellen Medien des Mittelalters dargestellten Elemente enorm. Diatheken und Bilddatenbanken verzeichnen neben den Metadaten zum Bildträger deshalb meist nur wenige Metadaten zum dargestellten Bild. Als Datenbasis für das Projekt wurde deshalb REALonline, die Bilddatenbank des IMAREAL, gewählt, in der sowohl dargestellte Möbel als auch ihre dargestellten Kontexte analysierbar sind.

Dissertationsprojekt von Isabella Nicka