Institutsgeschichte

Das Institut begann seine Tätigkeit 1969 als „Institut für mittelalterliche Realienkunde Österreichs“ (IMAREAL). Trägerorganisation war 45 Jahre lang die Österreichische Akademie der Wissenschaften; seit 2012 gehört das Institut zur Universität Salzburg. Die Idee der modernen realienkundlichen Forschung geht zurück auf Alphons Lhotsky (1903-1968). Sie steht intentionell und terminologisch in der Tradition der Altertumskunde und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts. Die späte Institutsgründung erklärt sich aus der nachhaltigen Dominanz der „politischen“ Geschichte und deckt sich im Wesentlichen mit der europaweiten Trendwende hin zur historischen Betrachtung des „täglichen“ Lebens und der „kleinen“ Leute.
Initiator und erster Institutsleiter war Harry Kühnel (1927-1995). Aufgabe des Instituts war zunächst die systematische Sammlung und Dokumentation der auf mittelalterlichen Bildquellen in ganz Österreich überlieferten „Realien“. Der geografische und zeitliche Referenzrahmen wurde seither auf die Nachbarländer und die Zeit bis 1620 ausgedehnt. 1990 erfolgte die Umbenennung in „Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit“.
Maßgeblich für die Etablierung des Instituts im außeruniversitären und interdisziplinären Bereich war die signifikante Heterogenität des Forschungsgegenstandes und der Forschungsaufgaben. Ihr konnte schrittweise durch interdisziplinär orientierte Personalentwicklung und adäquaten Bibliotheksaufbau Rechnung getragen werden. Die Veranstaltung internationaler Kongresse (1976 ff.), die Herausgabe von Schriftenreihen (1976 ff. bzw. 1996 ff.) und die Orientierung an innovativen Forschungsstandards gewährleisten dem Institut seinerseits eine führende Rolle im internationalen Fachdiskurs.
Von 1996 bis 2003 stand das Institut unter der Leitung von Karl Brunner, dem von 2003 bis 2014 Elisabeth Vavra als Institutsdirektorin bzw. seit dem Transfer an die Universität Salzburg im Jahr 2012 formell als Geschäftsführerin nachfolgte. Seit 2014 ist Thomas Kühtreiber Geschäftsführer des Instituts.
Als Forum für realienkundliche Fachdiskussion und innovative Arbeitsbereiche ist dem Institut die Internationale Forschungsgesellschaft Medium Aevum Quotidianum angeschlossen, die über eine gleichnamige Zeitschrift verfügt.