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Material(i)ties

In der Forschungsperspektive Materialities nehmen wir die materielle Kultur verstärkt über die Materialien, welche als Werk-Stoffe deren Grundlage bilden, in den Blick. Der Umgang mit Materialien wird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst: von den unmittelbar sinnlich wahrnehmbaren Materialeigenschaften, von (schriftlich oder mündlich) überliefertem Materialwissen und von Bedeutungszuschreibungen an Materialien.

Diese drei Faktoren erscheinen zwar manchmal als eigenständig und unabhängig nebeneinander stehend, sie sind aber dennoch gleichzeitig auf vielfache und komplexe Weise mit einander verschränkt. Die physischen Eigenschaften eines Materials ergeben Potenziale für die Nutzung, Bearbeitung und Zuschreibung von Bedeutung: So ist beispielsweise Stein ein hartes und vergleichsweise beständiges Material, wodurch es sich für die Nutzung als Baumaterial eignet und bei der Bearbeitung andere Werkzeuge erfordert als etwa Holz. Aufgrund seiner Härte ist Stein geeignet, zum Symbol für Festigkeit, Beständigkeit und Dauerhaftigkeit in den verschiedensten Zusammenhängen zu werden. Diese Bedeutungszuschreibung wirkt sich wiederum auf den konkreten Umgang mit Stein aus und hat Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen den Einsatz von Stein für einen bestimmten Zweck. Unser Ziel ist, solche Wechselwirkungen und zu erfassen und zu analysieren.

Holz in der Vormoderne. Werk-Stoff, Wirk-Stoff, Kunst-Stoff
MEMO # 1
Die erste Ausgabe des Online-Journals MEMO - Medieval and Early Modern Material Culture ist der Forschungsperspektive Materialities gewidmet.

Die Beschäftigung mit Materialien als Grundlagen mittelalterlicher und frühneuzeitlicher materieller Kultur eröffnet eine große Bandbreite an möglichen Fragestellungen: Welche Rolle spielen Materialien für zeitgenössische Medien wie etwa Bild und Text, warum wurden bestimmte Materialien ausgewählt? Wie werden Materialien in verschiedenen Medien in Szene gesetzt und präsentiert? Wie und warum werden unterschiedliche Materialien zu einander in Beziehung gesetzt, und wie entstehen durch Intermaterialität Bedeutungsnetzwerke? Wann entstehen Konflikte zwischen den physischen Materialeigenschaften und den kulturellen Bedeutungszuschreibungen, wann passen empirisches Materialwissen und ‚Gelehrtenwissen‘ nicht zusammen – und wann ist eine solche Inkongruenz die Ursache für eine scheinbare Widerspenstigkeit des Materials? Weiters fragen wir danach, welche Effekte durch den Einsatz bestimmter Materialien erzielt und welche Affekte und Emotionen beim Menschen durch die sinnliche Wahrnehmung bestimmter Materialeigenschaften ausgelöst werden. Davon ausgehend lässt sich erschließen, wie Materialien auf der emotionalen Ebene zur Herausbildung von ‚Welt-Bildern‘ beitragen. All diesen Fragen liegt das Interesse an den Beziehungen – den ties – zugrunde, die Mensch und Material, aber auch Materialien untereinander, eingehen können: das Interesse an Material(i)ties.