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Religiöse ‚Wearables‘

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  • Projektlaufzeit : Februar 2019 bis Jänner 2022
  • Projektleitung : Thomas Kühtreiber
  • Projektausführung : Sarah Pichlkastner (Historikerin) ab April 2019 und Karin Kühtreiber (Archäologin) ab Jänner 2020

Religiöse ‚Wearables‘ als materielle Zeugen neuzeitlicher Mobilität (17./18. Jahrhundert)

Unter religiösen „Wearables“ verstehen wir in diesem Projekt vor allem Anhänger und Medaillen mit religiösen Bildmotiven und Texten. Innerhalb der Vielfalt an materieller Hinterlassenschaft religiöser Praktiken eignen sie sich besonders, um der Mobilität als Katalysator religiöser Strömungen und Ideen nachzuspüren.



Religiöse Kleinobjekte als mobile Dinge

Die Thematik der religiösen „Wearables“ bildet einen Themenbereich innerhalb des Projekts Mobile Dinge, Menschen und Ideen. Eine bewegte Geschichte Niederösterreichs, das über die FTI-Strategie des Landes Niederösterreich finanziert wird. Das IMAREAL kooperiert darin mit weiteren im Land ansässigen geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen.

Ausgehend von religiösen „Wearables“, d.h. Anhängern und Medaillen, lassen sich Fragen frühneuzeitlicher Mobilität und ihre Auswirkung auf die Verbreitung religiöser Strömungen untersuchen. Mobil sind beispielsweise Menschen, die von Wallfahrten derartige Objekte als Nachweis ihrer Pilgerreise nach Hause mitbrachten und hier für verschiedene Zwecke – vom Kleidungsaccessoire und Rosenkranzanhänger bis zum Bauopfer – verwendeten. Religiöse Anhänger und Medaillen konnten aber auch über fahrende Händler oder religiöse Korporationen, wie Bruderschaften und Kongregationen, vertrieben werden. Durch das Kopieren von Motiven anderer Wallfahrtsorte konnte sowohl in religiöser als auch in ökonomischer Hinsicht an deren Erfolgsgeschichten angeknüpft werden. In diesem Fall sind zwar die Objekte „lokal“, aber die damit verbundenen Ideen und Konzepte mobil.

Bildanhänger, 17./18. Jh. (NÖ Landessammlungen, Grabung Michelberg)

Kooperationspartner

Landessammlungen Niederösterreich
Stadtmuseum St. Pölten, Stadtarchäologie | Dr. Ronald Risy
Diözesanmuseum St. Pölten | Mag. Barbara Taubinger
Institut für Numismatik und Geldgeschichte, Universität Wien | Univ.-Prof. Dr. Hubert Emmerig

Wallfahrtsmedaille aus Mariazell, 17./18. Jh. (NÖ Landessammlungen, Grabung Michelberg)

St. Pölten und Niederösterreich als Untersuchungsregionen

Der Themenbereich erforscht anhand dieser Objektgruppe diese drei Konnotationen von Mobilität vergleichend und ergänzend historisch-archäologisch für das heutige Niederösterreich. Da die exzeptionellen Grabungsergebnisse am Domplatz in St. Pölten den Dreh- und Angelpunkt bilden, konzentrieren sich die Forschungen auf den Raum um die heutige Landeshauptstadt. Es ist geplant, neben der Stadt St. Pölten die beiden großen Wallfahrtsorte Sonntagberg und Maria Taferl sowie die beiden kleineren Wallfahrtsorte Maria Langegg und Mank zu beleuchten. Ausgehend von der bisher zum Thema vorhandenen Literatur werden zudem Fragen nach den Wallfahrtströmen in bzw. durch Niederösterreich sowie nach den mit Wallfahrten verbundenen Ideentransfers gestellt.

Während zur neuzeitlichen Frömmigkeitsgeschichte im Allgemeinen sowie zum Wallfahrtswesen im Besonderen reichlich Literatur vorliegt, ist das Wissen über regionale und soziale Ausdifferenzierungen immer noch sehr beschränkt. Innerhalb der Vielfalt an materieller Hinterlassenschaft religiöser Praktiken eignen sie sich besonders, um der Mobilität als Katalysator religiöser Strömungen und Ideen nachspüren. Die Thematik ist auch im Spannungsfeld zwischen religiösen Normen und sozialer Praxis angesiedelt. Während die ältere Forschung in diesen Objekten Belege der Konfessionalisierung sah, zeigen neuere Ansätze, dass das Erwerben und Tragen mobiler Religiosa über Konfessionsgrenzen hinwegreichte und auch die Aufklärung überdauerte. Der am IMAREAL bearbeitete Themenbereich kann dazu beitragen, eine Forschungslücke zu schließen und bietet gleichzeitig Grundlagenforschung für Fragen religiöser Dynamiken auf dem Gebiet des heutigen Niederösterreichs in der Frühen Neuzeit.

Auszug aus einem Inventar des Wallfahrtsortes Maria Langegg mit Nennung eines Models für „Zeichen“ , Beginn 17. Jh. (Diözesanarchiv St. Pölten, Klosterarchiv Maria Langegg)