PROJECT OVERVIEW
PROJECT DETAILS
- Category Digital Humanities


- Projektlaufzeit : 2023 – laufend
- Projektleitung : Isabella Nicka, Peter Färberböck
- Projektmitarbeit : Miriam Landkammer
- Technische Umsetzung : Complement
- Beratung : DHCraft
DiscoThings
DiscoThings – Discovery of Things verbindet Daten zur materiellen Kultur des Mittelalters und der frühen Neuzeit aus unterschiedlichen Quellengattungen in einem gemeinsamen Wissensgraphen. Bilder, Inventare und Rechnungsbücher, die am IMAREAL in eigenen Datenbanken erschlossen werden, sollen damit erstmals in einer einzigen Abfrage gemeinsam durchsucht werden können – auch ohne Kenntnisse von Abfragesprachen wie SPARQL.
DiscoThings befindet sich derzeit in der Proof-of-Concept-Phase. Eine öffentlich zugängliche Anwendung gibt es noch nicht.
Quellen verbinden
An welchen Kleidungsstücken, Accessoires und anderen Objekten ist auf Bildern des Mittelalters Pelz dargestellt? Welche Gegenstände aus Pelz verzeichnen spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Burginventare? Und wo taucht das Material in Rechnungsbüchern auf, mit welchen Qualitäten, Begriffen und Preisen? Bisher mussten Forscher*innen dafür mehrere Datenbanken einzeln abfragen und die Verknüpfungsarbeit zwischen den Quellengattungen selbst leisten.
DiscoThings führt diese Bestände zusammen. Die Datenbasis der ersten Ausbaustufe bilden die Bilddatenbank REALonline und die Plattform ITEM mit ihren Datenbanken ITEM/inventories zu historischen Inventaren und ITEM/accounts zu Rechnungsbüchern; dazu kommen die Inventardaten aus dem Projekt Hohensalzburg Digital. Zusammen sind das über 22.400 visuelle Medien mit rund 238.000 erfassten Objekten und bislang 32 Inventare mit rund 12.700 verzeichneten Objekten. Außerdem fließt das Dissertationsprojekt Wearables von Anna Vierlinger ein, das Kleidung, Accessoires und Textilien in Rechnungsbüchern von Doppelklöstern des frühen 16. Jahrhunderts untersucht. Weil alle Datenbanken auf dem Erfassungsschema von REALonline beruhen, sind ihre Datenmodelle kompatibel.
Bild und Text ergänzen sich dabei, ohne einander bloß zu illustrieren: Schriftquellen benennen, wem Gegenstände und Materialien gehörten, wo man sie fand und was sie kosteten; Bildquellen zeigen, wie sie laut zeitgenössischen Darstellungen aussahen und in welchen Zusammenhängen sie dargestellt wurden. Aus der gemeinsamen Abfrage ergeben sich neue, interdisziplinäre Fragehorizonte – und ebenso Hinweise, wie sich die Quellengattungen unterscheiden.
Thesauri verknüpfen
Damit ein „Fazolett“ aus einem Inventar und ein auf einem Tafelbild dargestelltes „Taschentuch“ gemeinsam gefunden werden, müssen die Vokabulare der einzelnen Datenbanken zueinander in Beziehung gesetzt werden. Die Thesauri von REALonline und ITEM ähneln sich in ihrer Struktur, sind aber je nach Quellengattung unterschiedlich ausdifferenziert. Im ITEM-Thesaurus stehen etwa 16 Pelzarten wie „Wolf“, „Kalb“ oder „Kuh“, in REALonline unter anderem „Leopardenfell“ und der allgemeinere Begriff „Fell“.
Für diese Aufgabe wurde im Projekt ein eigenes Mapping-Tool entwickelt. Die Webanwendung ermöglicht es, Konkordanzen zwischen zwei oder mehreren Thesauri systematisch zu erstellen und zu verwalten – als exakte Übereinstimmung, als verwandter Begriff oder als hierarchische (weitere/engere) Beziehung nach dem W3C-Standard SKOS. Ein Vorschlagsservice unterstützt die Arbeit, die verknüpften Vokabulare werden in RDF exportiert. In einem nächsten Schritt ist eine übergreifende Ontologie geplant, die den Wissensgraphen insgesamt komfortabel abfragbar macht.
Wissensgraphen nachhaltig betreiben
Aus den bisher als Labeled Property Graph (Neo4j) vorliegenden Daten entsteht ein RDF-basierter, interoperabler Knowledge Graph mit rund 15 Millionen Tripeln. Er ist bereits mit Normdaten und Linked Open Data angereichert; diese Anreicherung wird weiter ausgebaut. Mittelfristig sollen die Daten und ihre Anbindungen außerdem für die Forschung und den Kulturerbesektor nutzbar sein.
Wie sich Wissensgraphen dieser Größe betreiben lassen, wurde als Test Case im universitätsübergreifenden Infrastrukturprojekt DHInfra untersucht. DiscoThings läuft als Proof of Concept auf dem VM-Cluster der Database Research Group der Universität Salzburg mit dem Open-Source-Framework Apache Jena Fuseki. Die Ergebnisse sind in einem Beitrag im Blog „Digital Humanities an der Universität Salzburg“ nachzulesen.
Abfragen ohne Vorkenntnisse
DiscoThings soll die Daten nicht nur für Expert*innen zugänglich machen. Geplant ist ein Frontend, über das Nutzer*innen ohne Kenntnisse von Graphdatenbanken und Abfragesprachen Ergebnisse erzielen können: mit einem Query-Builder, mit Beispielszenarien und mittelfristig mit KI-gestützten Abfragen. Die Anforderungen daran wurden im Mai 2026 in einem Frontend-Workshop mit dem Entwicklungspartner Complement erarbeitet; sie bilden die Grundlage für die weitere Entwicklung.
Kontaktieren Sie uns!
Bei Fragen zu DiscoThings und Interesse an einer Zusammenarbeit wenden Sie sich bitte an Isabella Nicka oder Peter Färberböck.
Literatur und Vorträge
Peter Färberböck, Isabella Nicka: Dinge entdecken, Zusammenhänge finden: DiscoThings. Ein System zum Verbinden von Quellen zur materiellen Kultur, Poster, Digital History 2026, Salzburg, 28.9.–1.10.2026.
Miriam Landkammer, Clemens Hafner, Peter Färberböck, Isabella Nicka: Der VM-Cluster als Infrastrukturangebot an der Universität Salzburg im Testszenario des Projekts „Discovery of Things“, in: Digital Humanities an der Universität Salzburg, 22.6.2026, doi: 10.58079/16fup.
Isabella Nicka, Peter Färberböck: Getting to the Bottom of Things. Leveraging Graphs for the Study of Material Culture in Medieval Images, Vortrag im Rahmen der Introduction to Digital Humanities Lecture Series, Universität Wien, 5.5.2026.
Elisabeth Gruber, Peter Färberböck: ITEM: Eine Schnittstelle realienkundlicher Daten aus historischen Textquellen, in: Das Mittelalter 30,1/2025, 113–129, doi: 10.17885/heiup.mial.2025.1.25124.
Isabella Nicka, Miriam Landkammer, Andreas Uhl, Michael Linortner, Johannes Schuiki: Annotating Images. A Prerequisite for Interdisciplinary Research in Medieval Studies, in: Das Mittelalter 30,1/2025, 90–122, doi: 10.17885/heiup.mial.2025.1.25123.
Isabella Nicka, Peter Färberböck: Alle Wege führen zu LLMs? Die RDF-Datenmodellierung am IMAREAL und die Zukunft, in: Digital Humanities an der Universität Salzburg, 2024, doi: 10.58079/12vc2.

