Am Beginn des 14. Jahrhunderts ließ der Abt des Benediktinerstiftes Göttweig die zu diesem Zeitpunkt wohl erst kürzlich neu ausgebaute Kapelle im klösterlichen Stadthof in Krems-Stein mit Wandmalereien ausgestalten. Die vollflächige Gesamtausstattung, deren Motivbestand sich glücklicherweise annähernd vollständig – wenn auch teilweise nur in der Vorzeichnung – erhalten hat, erstreckt sich über drei Räume: den Vorraum, den eigentlichen Hauptraum der Kapelle und einen weiteren Nebenraum, der vom Chor aus betreten werden kann (Oratorium?). Thematisch umfasst das Ausstattungsprogramm der heute profanierten Kapelle, die ehemals so wie die Stiftskirche des Göttweiger Männerklosters dem Patrozinium Marias unterstellt war, unter anderem einen mariologischen Bildzyklus, einen Bildzyklus zur Legende des heiligen Matthias, eine Episode aus der Legende des heiligen Nikolaus und eine Darstellung des in Göttweig als Heiliger verehrten Bischofs Altmann von Passau, der das von ihm gegründete Stift der thronenden Maria mit Christus überreicht. Die Wandmalereien faszinieren durch ihre Reichhaltigkeit und hervorragende künstlerische Qualität. Neu erschienen ist nun ein Artikel von Miriam Landkammer. Ausgehend von einer Ergänzung zum Bildprogramm – die im Vorraum dargestellte Mitgiftspende des hl. Nikolaus war bislang noch nicht bestimmt – geht der Beitrag Interaktionen zwischen den Bildern und den Strukturen des architektonischen Raumes nach, die den Kapellenbesucher*innen auf dem Weg durch die drei Räume als Wahrnehmungsangebote offenstanden.

Der Beitrag ist open access verfügbar: Die Heilsgeschichte durchschreiten. Wechselbeziehungen zwischen Wandmalereien und Raumstrukturen in der Göttweigerhof-Kapelle in Krems-Stein (um 1305/10). In: Mitteilungen Stadtarchiv Krems (2025), doi: 10.57704/cf4h-p876.

