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Object Links

In der Forschungsperspektive Object links werden gezielt nicht die Dinge selbst, sondern die Verbindungen zwischen Objekten bzw. zwischen Objekten und Personen analysiert.  Ein Ding, das sich in unserer Umgebung befindet und das in unseren Handlungen eine Rolle spielt, hat nicht immer und überall die gleiche Wichtigkeit oder Wirkung. Ein Beispiel wäre ein Stuhl, auf den man sich nicht nur setzen, sondern auch stellen kann, um etwas höher Liegendes zu erreichen. Im letzteren Fall wandelt sich das primär als Sitzmöbel definierte Ding etwa zu einem Gerät mit der Funktion einer Trittleiter. Die Bedeutungen eines Dinges hängen davon ab, in welchen Zusammenhängen es auftritt oder genutzt wird, das heißt in welchen Verbindungen es zu anderen Dingen, zu Räumen und zu Personen steht. Diese Zusammenhänge, in denen das Ding als Objekt beobachtbar und bestimmbar wird, sind die Object links (Objektverbindungen), die als eigene Kategorie zur Materiellen Kultur gehören.

 

Die Fragen für eine Geschichte der Dinge lassen sich nicht darauf reduzieren, wie diese ausgesehen haben, gefertigt, verbreitet, verwendet und mit Bedeutung aufgeladen wurden. Man kann die Fragen ganz anders stellen, beispielsweise: Wie schreiben Dinge an der Geschichte mit? Welche Bedeutung haben sie in einem über ihr Gebrauchsszenarium hinausgehenden kultur- und geistesgeschichtlichen Horizont? Was ist ihre Bedeutung für eine Geschichte des Wissens; wie kann man ihren entsprechenden erkenntnistheoretischen Status fassen?

Aus der Perspektive der Kulturwissenschaften gibt es das eine „Ding“ mit fest stehenden Bedeutungen nicht (im Gegensatz zur ontologischen Perspektive). Es ist nur zu erfassen, wo es als Objekt, als Gegen-Stand (obicere = entgegenstehen) in seiner Verlinkung beobachtbar wird, wo es in Konstellationen und Praktiken eine Teilhabe verzeichnet und durch diese Links Bedeutungszuschreibungen erfährt. Deshalb werden In der Forschungsperspektive Object links primär nicht die Dinge selbst, sondern die Verbindungen zwischen Objekten bzw. zwischen Objekten und Personen analysiert.  Je nach Beobachtungsstandpunkt bilden menschliche Akteure und Objekte, aber auch Objekte und Objekte Objektgesellschaften, die durch diese Verbindungen hergestellt werden. Die Ausgangsthese ist, dass die Art der Links in den Objektgesellschaften die jeweilige Erscheinungsform, Bedeutung und Wirkung der Objekte hervorbringt, was die Links selbst zu wesentlichen Elementen materieller Kultur macht. Eine Wechselwirkung besteht zwischen Links und Praktiken: Die Verlinkung der Dinge in den Objektgesellschaften wird u.a. durch die Praktiken bestimmt; die bestehenden Links bestimmen wiederum die Praktiken. Unterschiedliche Arten, Eigenschaften und Wirkungen dieser Verbindungen werden in den Gefügen der Objektgesellschaften greifbar: Objects link.

Object Links
MEMO # 3
Die Beiträge der dritte Ausgabe von MEMO – Medieval and Early Modern Material Culture nehmen Object Links in den Blick.

Das Konzept der Object Links erlaubt es, die Bedeutung der Dinge in der Geschichte und für die Kulturen genauer in den Blick zu nehmen. Wie äußert sich die Bindung zu Objekten im Gedächtnis und in der Erinnerung? Welche Funktionen haben Dinge bei der Etablierung und Gestaltung sozialer Gefüge sowie als Medien der Kommunikation und Repräsentation? Wie interagieren Objekte miteinander und wie konstituiert diese Interaktion den Raum? Die Vernetzung von Objekten untereinander sowie von Objekten und menschlichen Akteuren im topografischen und sozialen Raum kann in verschiedenen Größenordnungen untersucht werden. „Objektensembles“ etwa werden durch die Analyse von Ausstattungselementen, baulicher Anordnung und schriftlichen Dokumenten in profanen und sakralen Räumen fassbar. Objektbeziehungen von Individuen oder Personengruppen werden beispielsweise durch Stiftungen an geistliche Institutionen oder in der Geschenkkultur sichtbar. Die Bedeutung von Bildern ändert sich, wenn sie in neue Kontexte eintreten und neue Objektbeziehungen eingehen. Ein wichtiger Schlüsselbegriff ist daher die Objektbiographie, innerhalb deren ein bestimmtes Ding immer wieder zu einem neu definierten Objekt werden kann. Erste Ergebnisse zu diesen Fragestellungen haben wir in unserem aktuellen Buch Object Links – Dinge in Beziehung  formuliert.

Die Basis für die Forschungsperspektive Object links bildet die Dokumentation und Kontextualisierung von Objekten, die am IMAREAL quellen- und disziplinenübergreifend betrieben wird und damit zur Grundlagenforschung des Instituts gehört. Die auf die jeweiligen Teilprojekte zugeschnittenen Visualisierungen (z.B. digitale Modelle von bildlichen Räumen) spielen sowohl als Forschungstools als auch als Mittel einer adäquaten Präsentation der Forschungsergebnisse eine zentrale Rolle. Eng damit verbunden ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen im Bereich der Digital Humanities am IMAREAL.